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29. Internationales Istanbul Filmfestival

Ein österreichischer Dokumentarfilm war einer der Publikumslieblinge beim 29. Internationalen Istanbul Filmfestival: Sebastian Brameshubers Muezzin über den jährlich stattfindenden nationalen Wettbewerb der Muezzine, die gläubige Muslime fünfmal am Tag zum Gebet rufen. Der Ezan genannte Ruf ist eine hohe Kunst, die sowohl eine gute Stimme als auch eine qualifizierte Ausbildung voraussetzt. Der teils in Istanbul, teils in Wien lebende Brameshuber hat vier der Muezzine aus verschiedenen Stadtteilen vor dem Wettbewerb begleitet und befragt. Entstanden sind Porträts von auf unterschiedliche Weise sehr eitlen Männern, die sich selbst mit Popstars vergleichen und denen es weniger um Spiritualität als ums Prestige zu gehen scheint. Erstaunt und amüsiert nahmen einheimische wie ausländische Besucher den weltlichen Pragmatismus der Gottesmänner zu Kenntnis. Bramshubers geschickte und seinen Protagonisten zugeneigte Montage vermittelt mitunter eine Ahnung von deren dunkleren Seiten. Dass er sie nicht aufrollt und damit auf Klischees verzichtet, sondern sich auf den Gesangswettbewerb konzentriert, dient der Kohärenz und Eigenwilligkeit dieser schönen Dokumentation. (aus dem RAY Filmmagazin 05/10)

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